Deutsch­land gilt seit langem als ein europafre­undlich­es Land, aber in let­zter Zeit gibt es Anze­ichen von wach­sender Euroskep­sis. Auf die Frage nach Europa ange­sprochen, äußert eine große Min­der­heit der Deutschen Sorge über den Ver­lust von sozialer Sicher­heit oder Arbeit­splätzen, den Ver­lust nationaler Iden­tität und Kul­tur oder die finanziellen Beiträge Deutsch­lands zur Europäis­chen Union. Deutsche poli­tis­che Eliten aus dem linken und recht­en Spek­trum haben diese Bedenken weit­ge­hend unbeant­wortet gelassen und set­zen sich weit­er­hin für das europäis­che Pro­jekt ein. Dies wirft Fra­gen nach ein­er möglichen Kluft zwis­chen öffentlich­er Mei­n­ung und Vorstel­lun­gen unter poli­tis­chen Entscheidungsträger*innen in Bezug auf Sor­gen zur EU auf.

Diese Studie ver­gle­icht Dat­en aus ein­er repräsen­ta­tiv­en Umfrage unter deutschen Wahlberechtigten mit Erken­nt­nis­sen aus Gesprächen mit poli­tis­chen Entscheidungsträger*innen und zeigt, dass es tat­säch­lich eine Kluft zwis­chen öffentlich­er Mei­n­ung und den Inter­pre­ta­tio­nen von Politiker*innen zu Sor­gen zur EU gibt. Wir stellen fest, dass die Anliegen der Bürger*innen sowohl von prag­ma­tis­chen wirtschaftlichen Bedenken als auch von anderen Fak­toren, wie Fra­gen nach der eige­nen nationalen und europäis­chen Iden­tität, abhän­gen. Politiker*innen dage­gen konzen­tri­erten sich allein auf prag­ma­tis­che wirtschaftliche Bew­er­tun­gen. Sie unter­schätzten dabei die Bedeu­tung von Iden­tität und Zusam­menge­hörigkeits­ge­fühl auf die Wahrnehmung von Deutsch­land inner­halb der EU.

Angesichts dieses begren­zten Ver­ständ­niss­es der deutschen poli­tis­chen Eliten für die Sor­gen der Öffentlichkeit ist es nicht ver­wun­der­lich, dass Politiker*innen Schwierigkeit­en haben, diese Bedenken in der Bevölkerung auszuräu­men. Obwohl die Politiker*innen sich der Bedeu­tung ihrer repräsen­ta­tiv­en Funk­tion für die Legit­im­ität der EU bewusst sind, bleiben die von ihnen vorgeschla­ge­nen Maß­nah­men weit hin­ter dem zurück, was die Sor­gen der Bürger*innen zu Deutsch­lands Rolle in der EU wirk­lich addressieren kön­nte.

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