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2017|

Mind the gap

Deutschland gilt seit langem als ein europafreundliches Land, aber in letzter Zeit gibt es Anzeichen von wachsender Euroskepsis. Auf die Frage nach Europa angesprochen, äußert eine große Minderheit der Deutschen Sorge über den Verlust von sozialer Sicherheit oder Arbeitsplätzen, den Verlust nationaler Identität und Kultur oder die finanziellen Beiträge Deutschlands zur Europäischen Union. Deutsche politische Eliten aus dem linken und rechten Spektrum haben diese Bedenken weitgehend unbeantwortet gelassen und setzen sich weiterhin für das europäische Projekt ein. Dies wirft Fragen nach einer möglichen Kluft zwischen öffentlicher Meinung und Vorstellungen unter politischen Entscheidungsträger*innen in Bezug auf Sorgen zur EU auf.

Diese Studie vergleicht Daten aus einer repräsentativen Umfrage unter deutschen Wahlberechtigten mit Erkenntnissen aus Gesprächen mit politischen Entscheidungsträger*innen und zeigt, dass es tatsächlich eine Kluft zwischen öffentlicher Meinung und den Interpretationen von Politiker*innen zu Sorgen zur EU gibt. Wir stellen fest, dass die Anliegen der Bürger*innen sowohl von pragmatischen wirtschaftlichen Bedenken als auch von anderen Faktoren, wie Fragen nach der eigenen nationalen und europäischen Identität, abhängen. Politiker*innen dagegen konzentrierten sich allein auf pragmatische wirtschaftliche Bewertungen. Sie unterschätzten dabei die Bedeutung von Identität und Zusammengehörigkeitsgefühl auf die Wahrnehmung von Deutschland innerhalb der EU.

Angesichts dieses begrenzten Verständnisses der deutschen politischen Eliten für die Sorgen der Öffentlichkeit ist es nicht verwunderlich, dass Politiker*innen Schwierigkeiten haben, diese Bedenken in der Bevölkerung auszuräumen. Obwohl die Politiker*innen sich der Bedeutung ihrer repräsentativen Funktion für die Legitimität der EU bewusst sind, bleiben die von ihnen vorgeschlagenen Maßnahmen weit hinter dem zurück, was die Sorgen der Bürger*innen zu Deutschlands Rolle in der EU wirklich addressieren könnte.

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