In der deutschen Fallstudie des Projekts ‚Voices on Values‘ untersuchen Dr. Luuk Molthof und Magali Mohr den Zusammenhang zwischen nationaler Identität und Stolz auf der einen und Einstellungen zu Werten der offenen Gesellschaft auf der anderen Seite. Anhand der im Rahmen des Projekts erhobenen qualitativen und quantitativen Daten zeigen die Autoren, warum und unter welchen Bedingungen der deutsche Patriotismus die offene Gesellschaft in Deutschland nicht gefährden muss.

Die deutsche Vergangenheit hat die Deutschen für die Gefahren des Nationalismus sensibilisiert, und die Feier des Deutschtums ist immer noch weitgehend tabu. Aber dieses Tabu gerät unter Druck, denn viele Deutsche scheinen Schuldgefühle und Scham hinter sich lassen zu wollen. Einige befürchten, dass der Nationalstolz die extreme Rechte in Deutschland stärken und die tolerante und offene Gesellschaft des Landes gefährden könnte.

In ihrer Analyse der Voices on Values Umfrage- und Interviewdaten zeigen die Autoren, dass die Deutschen – sowohl die breite Öffentlichkeit als auch die politischen Eliten – trotz der Sensibilität für dieses Thema ein latentes Gefühl des Nationalstolzes haben. Durch den Vergleich von nationaler Identifikation und Stolz mit der Einstellung zu einer offenen Gesellschaft zeigt der Bericht, warum offenere Ausdrücke des deutschen Patriotismus die offene Gesellschaft nicht gefährden müssen. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Mehrheit der Befragten stolz auf Attribute ist, die mit der Unterstützung einer offenen Gesellschaft verbunden sind, wie das Grundgesetz oder der deutsche Sozialstaat, und ermutigen daher deutsche Politiker und in die offene Gesellschaft investierte Führungskräfte der Zivilgesellschaft, sich aktiv an der Diskussion über nationale Identität und Stolz zu beteiligen.

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