Die pol­nis­che Fall­studie zum Pro­jekt “Voic­es on Val­ues” zeich­net die Ursprünge der Öff­nung der pol­nis­chen Gesellschaft durch die Sol­i­dar­itäts­be­we­gung der 80er Jahre und den postkom­mu­nis­tis­chen Über­gang Anfang der 90er Jahre nach. Obwohl das Land inzwis­chen eine bedeu­tende poli­tis­che und wirtschaftliche Trans­for­ma­tion durch­laufen hat, wer­fen der jüng­ste Erfolg des autoritären Pop­ulis­mus und die Unter­grabung der demokratis­chen Insti­tu­tio­nen durch die PiS-Regierung die Frage auf, wie fest  demokratis­che Werte in Polen wirk­lich ver­ankert sind.

Auf Basis der im Rah­men der Studie erhobe­nen Dat­en geht Fil­ip Pazder­s­ki auf diese Frage ein, indem er zeigt, dass die Unter­stützung demokratis­ch­er Grund­prinzip­i­en in Polen generell hoch ist, dass die Polen aber dazu neigen, eine Def­i­n­i­tion von Demokratie als Macht der Mehrheit anzunehmen. Sie unter­stützen Grund­prinzip­i­en, die für alle Men­schen in der Gesellschaft gel­ten, wie z.B. die Mei­n­ungs­frei­heit, wägen aber andere Prinzip­i­en, wie den Schutz von Min­der­heit­en, eher gegen andere Anliegen ab.

Die von Pazder­s­ki durchge­führten Experten­in­ter­views zeich­nen ein ernüchtern­des Bild vom demokratis­chen Erbe der Sol­i­dar­itäts­be­we­gung in Polen. Sie zeigen, dass die Bewe­gung und der damit ver­bun­dene demokratis­che Wan­del zwar nach­haltige Auswirkun­gen auf das poli­tis­che Sys­tem des Lan­des hat­ten, dass aber die nur schein­bare Etablierung von Prinzip­i­en ein­er “offe­nen” Gesellschaft heute zu ein­er Quelle der Ent­täuschung gewor­den ist.

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